Deutschland

Regionale und Internationale Kooperation: Lokal heißt Global

5. Europäische Jahreskonferenz „Frieden und Landwirtschaft“ in Sangaste Castle, Estland und Koni, Lettland am 26.-28. September 2018

Der Estnischer Roggenverband (NPO Eesti Rukki Selts), das Lettische Zentrum für ländliche Beratung und Bildung (SIA "Latvijas Lauku konsultāciju un izglītības centrs"), der Minister für Ländliche Angelegenheiten Estlands, Herr Tarmo Tamm, sowie der Landwirtschaftsminister Lettlands, Herr Jānis Dūklavs, veranstalteten gemeinsam und erstmalig grenzübergreifend die fünfte Jahreskonferenz „Frieden und Landwirtschaft“ im Schloss Sangaste, Estland und in Koni, Lettland.

26. September 2018

Nach Eintreffen im Tagungshotel Pühajärve SPA and Holiday Resort, malerisch im Wald an einem See gelegen, eröffneten die Agrarminister Estlands und Lettlands die Veranstaltung mit einem Welcome Dinner.

Die Minister Tarmo Tamm und Jānis Dūklavs nutzten die Gelegenheit zu kurzen Ansprachen, der „Estnische Roggenkönig“ Hans I. (das Mitglied des Vorstands des Estnischen Roggenverbands Hans Kruusamägi) und seine Gattin eröffneten das festliche Dinner. Gibfried Schenk, Geschäftsführer des Vereins FriedensBrot e.V. ernannte Ruve Šank, Estland, und Arvīds Krivens, Lettland, als Anerkennung für langjährige Verdienste um das Europäische FriedensBrot-Netzwerk zu „FriedensBrot-Botschaftern“.

27. September 2018

Vor Tagungsbeginn statteten die Teilnehmer der Lutherischen Maarja-Kirche (Marienkirche) in Otepää einen Besuch ab um die Fahnen Estlands, Lettlands und der FriedensBrot-Initiative zu ehren. Pastor Marko Tiirmaa begrüßt die Gäste.

Die Maarja-Kirche ist mit der Geschichte der estnischen Nationalflagge verbunden. Im Pastoratsgebäude der Kirche wurde am 4. Juni 1884 die blau-schwarz-weiße Flagge des estnischen Studentenvereins geweiht, die später zur Nationalflagge und im Jahre 1991 die estnische Staatsflagge wurde.

Über 90 Teilnehmer aus den Partnerländern des FriedensBrot-Netzwerkes Bulgarien, Deutschland, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Ungarn, der Slowakei, Slowenien der Tschechischen Republik und Ungarn waren angereist, sowohl Vertreter der Agrarministerien als auch der zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen.

Auf Einladung der estnischen und lettischen Partner waren zusätzlich Gäste aus Finnland und der Ukraine gekommen.

Der deutschen Delegation gehörte der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Estland, Herr Christoph Eichhorn sowie sein Stellvertreter Martin Franz Langer an. Botschafter Eichhorn vertrat die Schirmherrin des FriedensBrot-Projektes, Bundesministerin Julia Klöckner. Von zivilgesellschaftlicher Seite waren das Vorstandsmitglied Anton Blöth sowie die ehrenamtlichen Vertreter der Geschäftsstelle des Vereins FriedensBrot e.V., Dr. Marion Schenk und Dr. Gibfried Schenk vertreten; weiter Christian Horn, Robert Knitter und Robert Jefferies vom Dokumentarfilm-Team FILMART Potsdam.

Wiederum waren drei Vertreter des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA) anwesend: Roomet Sormus (Estland), Peteris Krigers (Lettland) und Dr. Volker Petersen (Deutschland).

Tagungsort war das historisch mit dem Roggenanbau in Estland verbundene Schloss Sangaste. Der Talliner Architekt Otto Pius Hippius entwarf das 1874-1881 errichtete Herrenhaus für den Roggenzüchter Graf F.G.M von Berg (1845-1939) (www.sangasteloss.com).

Die Moderation des Meinungsaustausches der angereisten Politiker übernahm Vahur Kukk, Präsident des Estnischen Roggenverbandes.

Die Minister Tarmo Tamm und Jānis Dūklavs begrüßten die Teilnehmer zur Konferenz unter dem Thema „Regionale und Internationale Kooperation: Laokal heißt Global“. Tarmo Tamm unterstrich: „Wir brauchen die internationale Zusammenarbeit, um den Frieden in der Welt zu sichern“. Mit Blick auf die diesjährige Dürre sei es besonders wichtig, dass die Länder auf EU-Ebene kooperierten. „Ohne Handel gibt es keinen dauerhaften wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung", so der Minister.

Mit einer Grundsatzrede ging Enn Eessma, Erster Vize-Präsident des Estnischen Parlaments, auf das diesjährige Tagungsthema ein. „Heute gibt kein Land, das ausschließlich auf sich selbst bauen kann und als Sieger herauskommt”, so Eessma, Er lobte die freundschaftliche Kooperation zwischen den drei baltischen Staaten. „Im Ergebnis, egal bei welcher internationalen Veranstaltung wir auch teilnehmen, wir freuen uns immer, Letten und Litauer zu treffen“, unterstrich er. Vor dem Hintergrund großer Herausforderungen auf europäischer und globaler Ebene wünschte er sich zunehmenden Einfluss zivilgesellschaftlicher Projekte wie des FriedensBrot-Netzwerkes.

Vertreter aller Partnerländer und die Gäste Finnland und Ukraine erläuterten in kurzen Beiträgen ihre Sicht auf das Tagungsthema. Für den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) sprach Dr. Volker Petersen. Deutlich wurden der Wunsch und vielfältige Anstrengungen, die Europäische Union sowohl auf der nationalstaatlichen als auch auf der internationalen Ebene weiter zu stärken.

Den zweiten Teil der Tagung bestritten die Vertreter der zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen. Die Moderation übernahm Kaspars Žūrinš, Direktor des Lettischen Zentrums für ländliche Beratung und Bildung, die Grundsatzrede hielt Edgars Linde, Mitglied des Vorstandes des Zentrums.

Für FriedensBrot e.V. sprach Dr. Gibfried Schenk. „Mit FriedensBrot verbinden wir politisches und zivilgesellschaftliches Engagement mit Emotionen“, so Schenk. „Positive transnationale Emotionen, Freunde über Ländergrenzen hinweg helfen uns die vielbesprochenen europäischen Werte zu leben und sie nicht zu einem bloßen Lippenbekenntnis werden zu lassen.“ Er rief die Teilnehmer dazu auf, das Netzwerk auch stärker zwischen den Jahrestagungen zu nutzen, z.B. durch gegenseitige Besuche von landwirtschaftlichen Beispielsbetrieben.

Nach der Mittagspause wurden die 135 Jahre alte Hellenurme Wassermühle und das „Hexenland“, ein Freizeitpark in Nõiariik besucht. Der Freizeitpark ist für Familien konzipiert. Kinder finden zahlreiche Betätigungsmöglichkeiten. Erwachsene kommen jedoch auch nicht zu kurz. Die Tagungsteilnehmer betätigten sich beim Hexenbesenwerfen und Sitzfußballspiel. Besonderen Anklang fand der Hexentanz.

Am Abend schloss sich das Gala-Dinner auf der Kivi Rural Tourism Farm in der Nähe von Otepää an. Fischbratlinge, Lammfleisch und Roggenbrot waren köstlich. Hervorragende Jazzmusik unterhielt die Gäste.

Der deutsche Botschafter Christoph Eichhorn hielt eine Tischrede und gab ein Interview.

Eine große Überraschung hat Vahur Kukk, Präsident des Estnischen Roggenverbandes vorbereitet. Er überreichte dem Partnerverein FriedensBrot e.V. die neu gestiftete Ehrenmedaille des Vereins.

28. September 2018

Der letzte Tag der Jahrestagung begann mit dem gemeinsamen Besuch der Erinnerungsstätte an den „Baltischen Weg“, der längsten bekannten Menschenkette der Geschichte, die am 23. August 1989 von Vilnius in Litauen über Riga in Lettland bis nach Tallinn in Estland führte. Über eine Million Menschen aus den drei baltischen Ländern schlossen sich zu dieser Menschenkette zusammen, um ihre Einigkeit in dem Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu demonstrieren.

Die Erinnerungsstätte liegt am Grenzübergang zwischen Ungurini (Lettland) und Lilli (Estland). Lokalpolitiker beider Grenzorte hielten kurze Ansprachen. Esten, Letten und Litauer pflanzten Eichen am historischen Ort.

Die Straße war gesperrt und diente Kindern einer Volkstanzgruppe und lettischen Sängerinnen als Bühne. Kälte und Regen konnten dem Zusammengehörigkeitsgefühl unter Freunden nichts anhaben.
Wie selbstverständlich sind uns heute offene Grenzen.

Der letzte Tagungsort war die historische Wassermühle in Koni, Lettland, die heute als Museum und Begegnungsstätte des ländlichen Raums fungiert.

Beeindruckend ist die gut erhaltene 100 Jahre alte Technik der historischen Mühle und Wollspinnerei.

Wer sich traute, beteiligt sich an einem Gemälde, das die lettischen Gastgeber dem Verein FriedensBrot e.V. überreichen möchten. Die Idee stammte von Arvīds Krivens: eines seiner tollen Fotos eines Getreidefeldes der Bäuerin Maija Šmite aus der Gemeinde Sēļi wurde von der Künstlerin Līva Graudiņa als Gemälde nachempfunden. Die Gäste können sich mit ein paar Pinselstrichen beteiligen.

Wie künstlerisch begabt in Lettland bereits die Kleinsten sind, zeigte eine Ausstellung von Zeichnungen zum Thema FriedensBrot!

Vor der Mühle stellten sich die Gäste zum obligatorischen Familienfoto auf. Jeder konnte sich zum Andenken eine Münze mit dem FriedensBrot-Symbol prägen.

Bei kaltem Wetter war die Stimmung umso herzlicher.

Das Lettische Ministerium für Landwirtschaft lud zum Essen ein. Roggenbrot durfte nicht fehlen. Die Gäste wurden verabschiedet. Die Geschäftsführer des Vereins FriedensBrot e.V. und des Lettischen Zentrums für ländliche Beratung und Bildung unterschrieben eine Kooperationsvereinbarung.

Herrn Antanas Venckus, Abteilungsleiter im Litauischen Ministerium für Landwirtschaft wurde das symbolische FriedensBrot überreicht. Er lud die Partner für 2019 nach Litauen ein!

Ein großartiges Dankeschön den großartigen estnischen und lettischen Gastgebern!

Fotos: Tago Kalbri, Arvīds Krivens, Marion Schenk, Simo Sepp.

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