Deutschland

4. FORUM FriedensBrot 2018

"Für Zusammenhalt und Zuversicht – Erfahrungen an der Schnittstelle von Politik und Zivilgesellschaft"

 

Der Verein FriedensBrot e.V. veranstaltete am 16. Oktober 2018 sein 4. FORUM FriedensBrot zum Thema „Für Zusammenhalt und Zuversicht – Erfahrungen an der Schnittstelle von Politik und Zivilgesellschaft“. Unter Moderation von Catarina Zanner vom rbb verdeutlichten Maria Michalk, Vorsitzende des Rats für sorbische Angelegenheiten in Sachsen, und Kees de Vries, niederländisch-deutscher Landwirt und Politiker (MdB), den Wert gesellschaftlichen Engagements und verwiesen dabei auf einen reichen Schatz persönlicher Erfahrungen in Familie, Vereinen und der Politik. Das 4. FORUM FriedensBrot fand erneut in Kooperation mit dem Berliner Club der Agrardiplomaten und der Stiftung Berliner Mauer statt.

Berlin, 16. Oktober 2018. Ein nächstes „wow“ versprach Vorstandsmitglied Adalbert Kienle den rund 50 Gästen in seiner Eröffnung des 4. FORUM FriedensBrot. Die bisherigen Gesprächsrunden im FORUM FriedensBrot seien für alle Teilnehmer ein Erlebnis gewesen und mit Blick auf die diesjährigen Gesprächspartner, Maria Michalk, Vorsitzende des Rats für sorbische Angelegenheiten in Sachsen, und Kees de Vries, niederländisch-deutscher Landwirt und Politiker (MdB), sei nichts anderes als eine weiteres „wow-Erlebnis“ zu erwarten. Kienle, der in seiner Eröffnung auch darüber informierte, dass er in der vorausgehenden Mitgliederversammlung den Staffelstab des 1. Vorsitzenden an das langjährige Vorstandsmitglied Anton Blöth übergeben hat, zeigte sich nicht ohne Stolz erfreut, dass sich das Forum mittlerweile als Plattform zum Dialog über Frieden und Zusammenhalt, Landwirtschaft, Land und Leute etabliert und dafür im Besucherzentrum der Stiftung Berliner Mauer einen guten Ort gefunden hat. Deshalb ging sein besonderer Dank für die Gastfreundschaft und wertvolle Unterstützung des Projektes FriedensBrot an Prof. Dr. Axel Klausmeier, dem Direktor der Stiftung Berliner Mauer. In gleicher Weise dankte Kienle dem Vertreter des Clubs der Agrardiplomaten in Berlin, dem niederländischen Botschaftsrat Peter Vermeij, für die langjährige Zusammenarbeit und Partnerschaft zur Etablierung und Festigung des europäischen Netzwerkes FriedensBrot.

 

Gibfried Schenk, Geschäftsführer des Vereins FriedensBrot, informierte die Gäste über das wiederum ereignisreiche Jahr für den Verein und das europäisches Netzwerk FriedensBrot. Vielfältige Gespräche und Partnerschaften in Zivilgesellschaft und Politik wurden geführt und gefestigt. Besonderes Anliegen von Schenk und dem Verein FriedensBrot an dieser Stelle war aber der Dank an Adalbert Kienle für seine inspirierende Begleitung der Idee und langjährige Führung des Vereins FriedensBrot als 1. Vorsitzender. Als besonderes Zeichen des Danks und als Zeichen der Anerkennung für dieses Engagement überreichten ihm deshalb Anton Blöth und Gibfried Schenk eine Urkunde, die ihn als ersten und bislang einzigen FriedensBrot-Botschafter in Deutschland auszeichnet; eine Tradition und Ehrung, die ansonsten nur verdienten Unterstützern und Förderern des Netzwerkes FriedensBrot in den europäischen Partnerländern zu Teil wird.

Den Wert und die Symbolik des Roggenfeldes rund um die Kapelle der Versöhnung unterstrich Prof. Dr. Axel Klausmeier. Nicht der agronomische Ertrag, sondern vielmehr der irritierende Beitrag eines Roggenfeldes mitten im Todestreifen der einst geteilten Stadt ist für die Gedenkstätte entlang der Bernauer Straße von elementarer Bedeutung – weil Widersprüche provoziert und Fragen aufgeworfen werden. In guter landwirtschaftlicher Manier müsse man sich jetzt aber auch um das Feld bzw. um eine Bodenverbesserung kümmern, damit es auch in den nächsten Jahren „Ertrag“ verspricht. Im Verein FriedensBrot und seinen grenzüberschreitenden Aktivitäten sieht Klausmeier einen „natürlichen“ Partner, der auf Basis gemeinsamer Wertvorstellungen die Symbolik des Roggenfeldes internationalisiert und darüber Menschen ins Gespräch sowie Irrungen und Mahnung der deutschen und europäischen Teilung in Erinnerung hält.

Peter Vermeij, Botschaftsrat der Niederlande und mittlerweile Präsident des Clubs der Agrardiplomaten in Berlin, ging ein auf seine ersten Begegnungen mit Verantwortlichen des Vereins FriedensBrot und seine Gespräche über die Wiedervereinigung, das Roggenfeld und den engeren Zusammenhang zwischen Frieden und Landwirtschaft, die sehr viel eigen Erlebtes, Authentisches und viele Emotionen zu Tage förderten. Ihm sei dabei klar geworden, dass im Verein und Projekt FriedensBrot etwas Wesentliches passiere, das die Kraft hat, Menschen zu verbinden. Dass dazu auch der Club der Agrardiplomaten seinen Beitrag geleistet hat – und in Zukunft auch leisten will – erfülle ihn mit Freude.

Unter der Überschrift „Gemeinwesen braucht engagierte Kümmerer“ fasste der Pressedienst AgraEurope die Gesprächsrunde im Forum FriedensBrot mit Maria Michalk und Kees de Vries zusammen, die bereits zum vierten Male von Catarina Zanner vom RBB moderiert wurde. Mit freundlicher Genehmigung des Autors seien hier die wesentlichen Passagen der Zusammenfassung und seine Eindrücke vom lebendigen und von vielen biografischen Eindrücken bereicherten Gesprächs wiedergegeben:

„Michalk hatte sich im Zuge der friedlichen Revolution in der Politik engagiert. Die CDU-Politikerin war Mitglied der frei gewählten Volkskammer von März bis Oktober 1990. Von 1991 bis 1994 und von 2002 bis 2017 gehörte Michalk dem Bundestag an, zuletzt als gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Für sie sei mit der Wendezeit klar gewesen, „wir können uns nicht verweigern“. Die Notwendigkeit, sich um die Belange der Menschen vor Ort zu kümmern und ein offenes Ohr für ihre Probleme zu haben, bezeichnete Michalk als Grundlage ihrer Arbeit. Die 69-Jährige ist Vorsitzende des Rates für sorbische Angelegenheiten und nach wie vor intensiv mit den Belangen der Minderheit in der Ober- und Niederlausitz betraut. Michalk betonte mehrfach den Stellenwert von ehrenamtlichem Engagement und dessen Bedeutung für das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.“

„Auf 13 ehrenamtliche Funktionen kommt der Landwirt und Bundestagsabgeordnete de Vries. Der gebürtige Holländer war Anfang der neunziger Jahre nach Ostdeutschland gekommen und hatte 1992 in der Nähe von Zerbst eine ehemalige Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) übernommen. Die deutsche Einheit habe ihm und seiner Frau die Chance gegeben, den Sprung von einem Kleinbetrieb in den Niederlanden auf einen größeren Milchviehbetrieb zu wagen. De Vries berichtete von vielfältigen Schwierigkeiten beim Aufbau des Betriebes, die man letztlich aber habe überwinden können. Sein ehrenamtliches Engagement habe mit einer Tätigkeit im Elternbeirat seiner Kinder begonnen und ihn unter anderem über die berufsständische Interessenvertretung in die Politik geführt. Nachdem er 2009 noch knapp mit seiner Kandidatur gescheitert war, war de Vries erstmals 2013 als CDU-Kandidat für den Wahlkreis Anhalt nominiert worden. Bei den Bundestagswahlen 2013 und 2017 hat der 63-Jährige jeweils das Direktmandat gewonnen. De Vries forderte mehr Engagement jedes Einzelnen für Europa: „Wir müssen viel mehr erklären, warum wir Europa brauchen.“ Europa sei der Garant für Wohlstand und Freiheit. Dies gelte es angesichts verbreiteter Europaskepsis immer wieder und mit Leidenschaft zu vertreten. Für ihn sei Haltung entscheidend: „Man muss für etwas stehen.“

Im Anschluss an die Gesprächsrunde zog Anton Blöth, neuer 1. Vorsitzender des Vereins FriedensBrot ein positives Fazit über das 4.FORUM FriedensBrot und dankte allen Mitwirkenden mit einem Brotgeschenk, gebacken von der Bäckerei Domberger aus dem „Mauer-Roggen“ auf dem Gelände der Gedenkstätte Berliner Mauer, und sagte auch Dank an die weiteren Förderer und Unterstützer dieser Veranstaltung, die im nächsten Jahr mit Sicherheit eine Fortsetzung finden wird. Die Gesprächsrunde habe gezeigt, dass es engagierter Kümmerer braucht, die Verantwortung für das Gemeinwesen in Familie, Unternehmen, Vereinen und Politik übernehmen. Mit Maria Michalk und Kees de Vries habe man zwei solcher Protagonisten kennenlernen dürfen. Aus ihren Biografien und Schilderungen werde klar, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt, Frieden allemal, längst keine Selbstverständlichkeit und Selbstläufer mehr sind. Gefordert seien Arbeit und die Bereitschaft, „ja“ zu sagen zum Dienst an der Gesellschaft. FriedensBrot sei ein Angebot an solche engagierten Kümmerer. Als Begegnungs- und Dialogplattform ermögliche das Netzwerk FriedensBrot, über den Tellerrand und über Grenzen hinweg miteinander und nicht übereinander zu sprechen.

Fotos: Roland Krieg und Christian Horn.

Zurück zur Übersicht

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden. Weiterlesen …